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 #1  
30.12.2009, 12:57
Ralph Aichinger
In *sprache.deutsch ist gerade ein Bild verlinkt worden,
bei dem etwas gemacht wird, was man in der Fotografie
normalerweise vermeidet: Ein Objekt im Hintergrund
verschmilzt beinahe, nur durch die Luftperspektive
leicht abgemildert mit einem Objekt im Vordergrund.

Ich könnte mir vorstellen, daß der eine oder andere
hier das ganze durch eine andere Wahl des Kamerastandpunkts
vermeiden würde, in dem Fall hat der Künstler aber weder
das gemacht, noch das Objekt rausgephotoshoppt.

http://upload.wikimedia.org/wikipedi...itzweg_036.jpg

Fällt euch dazu was ein?

Es geht natürlich um das Mädchen mit dem Schmetterlingsnetz und
das Haus/die Kirche im Hintergrund. Und ja, das Haus/Mädchen/Netz
rechts ist fast die Spiegelung der Frau mit Schirm links davon. Aber
würdet ihr sowas machen, oder lieber noch etwas warten bevor ihr
abdrückt?

Hat sowas außerhalb der "keine Bäume aus dem Kopf wachsen lassen"-
Kultur der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?

/ralph XP, fup2 drf
 #2  
30.12.2009, 17:01
Arnulf Sopp
Am Wed, 30 Dec 2009 14:57:01 +0100 (CET) schrieb Ralph Aichinger:

> Ein Objekt im Hintergrund verschmilzt beinahe, nur durch die
> Luftperspektive leicht abgemildert mit einem Objekt im Vordergrund.


Auf diese Weise erhält der Junge (!) mit dem Schmetterlingsnetz ungefähr
dasselbe Gewicht wie die übrigen Personen. So wird auch die Magd als
größte Figur der hinteren Gruppe nicht durch ihre schiere Größe
aufgewertet, denn sie wäre sonst die Spitze einer Pyramide.

Dem kann mit Recht entgegengehalten werden, dass vom Nesthäkchen überhaupt
nur der Hut zu sehen ist. Das dient jedoch wohl der Verniedlichung, denn es
ist eine witzige Karikatur.

> Hat sowas außerhalb der "keine Bäume aus dem Kopf wachsen lassen"- Kultur
> der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?


Nach meiner Kenntnis nicht. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass Du jetzt
nicht den Oberbegriff Komposition hören möchtest.
 #3  
30.12.2009, 23:26
Ralph Aichinger
In de.rec.fotografie Arnulf Sopp <barney> wrote:
> Auf diese Weise erhält der Junge (!) mit dem Schmetterlingsnetz ungefähr


Ah, stimmt, damals hätte ein Mädchen keine Hosen angehabt. Ich habe
von der Frisur auf Mädchen geschlossen.

> dasselbe Gewicht wie die übrigen Personen. So wird auch die Magd als
> größte Figur der hinteren Gruppe nicht durch ihre schiere Größe
> aufgewertet, denn sie wäre sonst die Spitze einer Pyramide.


Ja, das ergibt absolut Sinn. Danke!

> Dem kann mit Recht entgegengehalten werden, dass vom Nesthäkchen überhaupt
> nur der Hut zu sehen ist. Das dient jedoch wohl der Verniedlichung, denn es
> ist eine witzige Karikatur.
>
>> Hat sowas außerhalb der "keine Bäume aus dem Kopf wachsen lassen"- Kultur
>> der Fotografie vielleicht sogar eine Tradition und Bezeichnung?

>
> Nach meiner Kenntnis nicht. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass Du jetzt
> nicht den Oberbegriff Komposition hören möchtest.


Nein, nein, den kenne ich schon ;)

/ralph
 #4  
31.12.2009, 00:34
Arnulf Sopp
Am Thu, 31 Dec 2009 01:26:42 +0100 (CET) schrieb Ralph Aichinger:

> Ah, stimmt, damals hätte ein Mädchen keine Hosen angehabt.


Zugegeben, in dem in Deinem OP angegebenen Link war das kaum
unterscheidbar. Ich belauerte natürlich eine deutlichere Abbildung.

>> So wird auch die Magd als größte Figur der hinteren Gruppe nicht durch
>> ihre schiere Größe aufgewertet, denn sie wäre sonst die Spitze einer
>> Pyramide.


Nachtrag: Dass es die Magd ist, schließe ich einfach aus ihrer schlichteren
Kleidung (z.B. Kragen). Mit etwas Mühe könnte es auch die älteste
Schwester sein, aber dann müssten Mama und Papa schon seeehr früh
angefangen haben - einmal probiert, gleich gekonnt. Das ist zwar auch um
diese Zeit nicht auszuschließen, aber in einer Karikatur der
(Spieß-)Bürgerlichkeit des Biedermeier fehl am Platze. Die war auch ohne
dunkle Punkte in der Vita schon lächerlich genug.

Zu schaffen macht mir noch immer der modische Hut, wo ein Kopftuch zu
erwarten gewesen wäre. Der dürfte aber auch bei einer Magd zum
Sonntagsstaat gezählt haben, zumal er deutlich schlichter ist als
derjenige der Frau Mutter. Ungefähr zeitgenössische Kopftücher kenne ich
auch eher aus realistischen Gemälden, in denen die soziale Situation Thema
ist. Die Magd trägt auch den Picknickkorb, was wohl alle Zweifel
beseitigt.

Aber das geht völlig an Deinem rein kompositorischen Anliegen vorbei. SCNR.
 #5  
31.12.2009, 12:42
Johannes Leckebusch
Am 31.12.2009 02:34, schrieb Arnulf Sopp:
> Am Thu, 31 Dec 2009 01:26:42 +0100 (CET) schrieb Ralph Aichinger:
>
>> Ah, stimmt, damals hätte ein Mädchen keine Hosen angehabt.

>
> Zugegeben, in dem in Deinem OP angegebenen Link war das kaum
> unterscheidbar. Ich belauerte natürlich eine deutlichere Abbildung.


Hast Du Deinen Link nochmal zur Hand? Oder hatte ich den übersehen?
 #6  
31.12.2009, 13:48
Arnulf Sopp
Am Thu, 31 Dec 2009 14:42:32 +0100 schrieb Johannes Leckebusch:

> Hast Du Deinen Link nochmal zur Hand? Oder hatte ich den übersehen?


Ich sitze hier in der NG drkm. Die hiesige NG-Bevölkerung hat von so
berühmten Bildern mindestens drei Abbildungen im Regal stehen. Meine konnte
ich sogar von der Festplatte abrufen, weil es entsprechende "Bücher" heute
auch digital gibt.

Mit einem Link kann ich Dir leider nicht helfen.
 #7  
31.12.2009, 14:00
Josef Mühlbacher
"Arnulf Sopp" <barney> schrieb im Newsbeitrag
news:hdlg
> Am Wed, 30 Dec 2009 14:57:01 +0100 (CET) schrieb Ralph Aichinger:
>
>> Ein Objekt im Hintergrund verschmilzt beinahe, nur durch die
>> Luftperspektive leicht abgemildert mit einem Objekt im Vordergrund.

>
> Auf diese Weise erhält der Junge (!) mit dem Schmetterlingsnetz ungefähr
> dasselbe Gewicht wie die übrigen Personen. So wird auch die Magd als
> größte Figur der hinteren Gruppe nicht durch ihre schiere Größe
> aufgewertet, denn sie wäre sonst die Spitze einer Pyramide.


Ein weiterer Erklärungsversuch wäre: Die Verbindung der Familie mit dem
Haus. Offensichtlich sind die Ausflügler in der Natur nur zu Besuch.
Die Pyramide ergäbe sich auch ohne Gebäude kaum, da hält das
Schmetteringsnetz und der Schirm der Mutter dagegen.
[..]
 #8  
31.12.2009, 14:32
Johannes Leckebusch
Am 31.12.2009 15:48, schrieb Arnulf Sopp:
> Am Thu, 31 Dec 2009 14:42:32 +0100 schrieb Johannes Leckebusch:
>
>> Hast Du Deinen Link nochmal zur Hand? Oder hatte ich den übersehen?

>
> Ich sitze hier in der NG drkm. Die hiesige NG-Bevölkerung hat von so
> berühmten Bildern mindestens drei Abbildungen im Regal stehen. Meine konnte
> ich sogar von der Festplatte abrufen, weil es entsprechende "Bücher" heute
> auch digital gibt.


Verstehe ... {;-)))
 #9  
31.12.2009, 14:40
Schnug
Am Thu, 31 Dec 2009 14:42:32 +0100 schrieb Johannes Leckebusch:

> Hast Du Deinen Link nochmal zur Hand?


vielleicht hilft der Link weiter:
http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/20m0035a.jpg

bemerkenswert der rasierte Orang-Utan - auf der großen Abbildung sehr gut
zu erkennen ;-)
was hat sich der gute Carl da nur gedacht.

Gruß
HS
 #10  
31.12.2009, 15:32
Arnulf Sopp
Am Thu, 31 Dec 2009 16:06:45 +0100 schrieb Josef Mühlbacher:

>> So wird auch die Magd als größte Figur der hinteren Gruppe nicht durch
>> ihre schiere Größe aufgewertet, denn sie wäre sonst die Spitze einer
>> Pyramide.

>
> Ein weiterer Erklärungsversuch wäre: Die Verbindung der Familie mit dem
> Haus. Offensichtlich sind die Ausflügler in der Natur nur zu Besuch.


Hier speziell mit der Kirche. Ja, auch das könnte Spitzweg im Auge gehabt
haben. Dieser Hinweis ist zwar nur recht unscheinbar, aber es könnte sein.

> Die Pyramide ergäbe sich auch ohne Gebäude kaum, da hält das
> Schmetteringsnetz und der Schirm der Mutter dagegen.


Ich sprach von der hinteren Gruppe. Die Gesamtheit der Figuren ist viel zu
sehr horizontal komponiert, als dass ein solcher Eindruck entstehen
könnte.
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