hilpers


  hilpers > sci.medizin.* > sci.medizin.misc

 #1  
18.05.2008, 19:59
Anonymous Sender
Mit Nadeln und Kügelchen

Die Berliner Charité richtet die erste Professur für "Komplementärmedizin" ein.
Was haben Homöopathie und Qigong in der universitären Forschung zu suchen?

Ihr Heuschnupfen quält Sabine Reiners, 26, seit sie sich erinnern kann. Bei schön-
stem Frühlingswetter schottet sich die Studentin zu Hause gegen den Pollenflug ab
- doch da lauert der Hausstaub: "Normales Saubermachen geht nicht ohne Niesatta-
cken", erzählt sie. "Wie Smarties" habe sie Medikamente eingeworfen, jahrelang:
"Inzwischen wirkt gar nichts mehr richtig."

Jetzt sitzt Reiners in der Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin (Champ)
am Universitätsklinikum Charité in Berlin-Mitte. In den kommenden Wochen wird sie
sich von den Ärzten Akupunkturnadeln in die Haut piksen lassen; sie hofft, dass
die allergischen Reaktionen dann nachlassen. "Die Schulmedizin habe ich durch",
sagt Reiners, "jetzt will ich sehen, was alternative Methoden bringen."

Reiners gehört zur typischen Champ-Klientel: "Die meisten unserer Patienten haben
chronische Krankheiten und in der Schulmedizin bereits vieles ausprobiert", erklärt
Gründer Stefan Willich, Internist und Chef am Institut für Sozialmedizin, Epidemi-
ologie und Gesundheitsökonomie. "Wir entwickeln für jeden eine individuelle Kombi-
nation aus herkömmlicher Medizin und alternativen Methoden."

Seit einem Jahr rücken Willichs Ärzte verschiedenen Leiden wie Allergien, Rücken-
schmerzen oder Diabetes mit Akupunkturnadeln, homöopathischen Mitteln, pflanzli-
chenArzneien und auch schon mal mit Blutegeln oder anthroposophischen Tinkturen
zu Leibe. Andere Patienten werden in fernöstlichen Techniken wie Qigong unter-
wiesen.

Schon seit rund zehn Jahren untersucht Willich Heilmethoden aus der "Komplementär-
medizin". Seinen jüngsten Coup kann der Mediziner in dieser Woche feiern: Willichs
langjährige Mitarbeiterin Claudia Witt hält an der Charité ihre Antrittsvorlesung
zum Thema "Moderne Forschung zur Komplementärmedizin" - Witt wird die deutschland-
weit erste Professorin für alternative Medizin.

Möglich macht’s eine Spende der Karl und Veronica Carstens-Stiftung, die sich der
Förderung von Projekten aus dem Bereich der Alternativmedizin verschrieben hat. Mit
einer Million Euro finanzieren die Gönner Witts Stiftungslehrstuhl für die nächsten
fünf Jahre.

Doch was haben Qigong und Schröpfkopf an einer seriösen Spitzenuni zu suchen? Als
neuen Forschungsschwerpunkt der ehrwürdigen Uni-Klinik möchte Detlev Ganten, Phar-
makologe und Vorstandsvorsitzender der Charité, die alternative Heilkunst nicht
gerade sehen: "Im Verhältnis zur wissenschaftlichen und klinischen Leistungsfähig-
keit der Charité in klassisch universitätsmedizinischen Domänen spielt die Erfor-
schung der Komplementärmedizin nur eine untergeordnete Rolle."

Doch bald schon kann sich seine Charité über weitere Professorenjobs in ähnlichen
Sujets freuen: Der Kneipp-Bund und ein Berliner Krankenhaus spendieren je eine Pro-
fessur zum Thema Naturheilverfahren.

"Die Nachfrage ist da, die Verfahren werden eingesetzt. Es ist auch Teil des Auf-
trags an eine große akademische Einrichtung wie die Charité, hier für Erhellung
zu sorgen und dieses Feld nicht Scharlatanen zu überlassen", erklärt Charité-Chef
Ganten. Denn trotz fehlender wissenschaftlicher Belege für deren Wirksamkeit ver-
trauen immer mehr Patienten der Heilkraft homöopathischer Kügelchen oder chinesi-
scher Kräuter - 60 000 Ärzte verordnen hierzulande regelmäßig Präparate aus Homöo-
pathie oder Naturheilkunde.

Der Alternativ-Boom an der Charité verblüfft dennoch - vor allem, weil die Hoch-
schulmedizin dem Feld bislang aus guten Gründen weitgehend ablehnend gegenüber-
stand. Wie etwa Hochpotenzhomöopathie wirken soll, können auch deren Anhänger
nicht erklären. So hoch sind die Verdünnungen, dass sich im Medikament nicht
ein einziges Wirkstoffmolekül nachweisen lässt. Jung-Professorin Witt hat das
in ihrer Promotion selbst bewiesen: Mittels Massenspektroskopie untersuchte sie,
wie sich homöopathische Medikamente physikalisch vom reinen Lösungsmittel unter-
scheiden, in dem sie enthalten sein sollen. Ergebnis: gar nicht.

"Das heißt aber nicht, dass Homöopathie nichts bewirkt", erklärt die Epidemiologin
unverdrossen. "Man muss sie im Kontext erforschen, und das geht eben nicht nur mit
placebokontrollierten Studien." So muss ein Homöopath seinen Patienten ausführlich
befragen, ehe er die passenden Globuli hervorholt - der Kranke fühlt sich ernst
genommen und erwartet allein deswegen Linderung. "Sehr viel Wirkung der Homöopathie
ist auf andere Faktoren wie etwa den Kontext zurückzuführen", glaubt Witt, "die
Arznei selbst macht nur einen kleinen Teil aus."

Oder gar keinen. "Mit dieser Argumentation können Sie auch Aspirin verschreiben,
wenn Sie vorher nett zum Patienten sind", sagt Edzard Ernst, der an der Universität
von Exeter seit Jahren alternative Heilmethoden erforscht und Studien zum Thema
bewertet. "In der Komplementärmedizin machen Forscher gern geltend, dass für sie
die Regeln der Wissenschaft modifiziert werden müssten." In der Medizin dürfe es
aber nicht zweierlei Standards geben.

"Es gibt zu wenige gute Studien zu diesen Themen", sagt auch Peter Sawicki, Leiter
des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, "insofern
ist es zu begrüßen, wenn sie auch an den Universitäten erforscht werden." Für An-
hänger vieler Alternativmethoden dürfte das eher kein Grund zur Freude sein: "Wenn
die Studien wissenschaftlich hochwertig sind, wird man ziemlich oft zu dem Schluss
kommen müssen, dass viele Methoden nichts taugen."
 #2  
18.05.2008, 20:32
Marc Reinar Husit
Sehr spannender Artikel.

Die Einrichtung eines wissenschaftlichen Lehrstuhles kann ich nur
begrüssen. Vielleicht werden dann endlich noch offene Fragen und
Themengebiet geklärt, die im Moment eher "die Lager spalten".

Sehr schön, danke fürs posten.
 #3  
19.05.2008, 05:19
Reinhard
Artikel aus Spiegel 21-2008: Mit Nadeln und Kügelchen



2 Nachrichten - Alle ausblenden
/groups/adfetch?
adid=fh0W2hIAAABycDgtZXjwCmZuYF8SZzZYccppRoymU92mf rW5UfTN7w

Bei der Gruppe, für die Sie eine Mitteilung verfassen, handelt es sich
um eine Usenet-Gruppe. Wenn Sie in dieser Gruppe Nachrichten posten,
ist Ihre E-Mail-Adresse für jeden im Internet sichtbar
Ihre Antwort wurde nicht gesendet.
Die Nachricht wurde übermittelt.


1. George Orwell Profil anzeigen
Weitere Optionen 19 Mai, 00:40

Newsgroups: de.alt.naturheilkunde
Von: George Orwell <nob>
Datum: Mon, 19 May 2008 00:40:40 +0200 (CEST)
Lokal: Mo 19 Mai 2008 00:40
Betreff: Artikel aus Spiegel 21-2008: Mit Nadeln und Kügelchen
Antworten | Antwort an Autor | Weiterleiten | Drucken | Einzelne
Nachricht | Original anzeigen | Diese Nachricht melden | Nachrichten
dieses Autors suchen
Mit Nadeln und Kügelchen

Die Berliner Charité richtet die erste Professur für
"Komplementärmedizin" ein.
Was haben Homöopathie und Qigong in der universitären Forschung zu
suchen?


Ihr Heuschnupfen quält Sabine Reiners, 26, seit sie sich erinnern
kann. Bei schön-
stem Frühlingswetter schottet sich die Studentin zu Hause gegen den
Pollenflug ab
- doch da lauert der Hausstaub: "Normales Saubermachen geht nicht ohne
Niesatta-
cken", erzählt sie. "Wie Smarties" habe sie Medikamente eingeworfen,
jahrelang:
"Inzwischen wirkt gar nichts mehr richtig."


Jetzt sitzt Reiners in der Ambulanz für Prävention und Integrative
Medizin (Champ)
am Universitätsklinikum Charité in Berlin-Mitte. In den kommenden
Wochen wird sie
sich von den Ärzten Akupunkturnadeln in die Haut piksen lassen; sie
hofft, dass
die allergischen Reaktionen dann nachlassen. "Die Schulmedizin habe
ich durch",
sagt Reiners, "jetzt will ich sehen, was alternative Methoden
bringen."


Reiners gehört zur typischen Champ-Klientel: "Die meisten unserer
Patienten haben
chronische Krankheiten und in der Schulmedizin bereits vieles
ausprobiert", erklärt
Gründer Stefan Willich, Internist und Chef am Institut für
Sozialmedizin, Epidemi-
ologie und Gesundheitsökonomie. "Wir entwickeln für jeden eine
individuelle Kombi-
nation aus herkömmlicher Medizin und alternativen Methoden."


Seit einem Jahr rücken Willichs Ärzte verschiedenen Leiden wie
Allergien, Rücken-
schmerzen oder Diabetes mit Akupunkturnadeln, homöopathischen Mitteln,
pflanzli-
chenArzneien und auch schon mal mit Blutegeln oder anthroposophischen
Tinkturen
zu Leibe. Andere Patienten werden in fernöstlichen Techniken wie
Qigong unter-
wiesen.


Schon seit rund zehn Jahren untersucht Willich Heilmethoden aus der
"Komplementär-
medizin". Seinen jüngsten Coup kann der Mediziner in dieser Woche
feiern: Willichs
langjährige Mitarbeiterin Claudia Witt hält an der Charité ihre
Antrittsvorlesung
zum Thema "Moderne Forschung zur Komplementärmedizin" - Witt wird die
deutschland-
weit erste Professorin für alternative Medizin.


Möglich macht's eine Spende der Karl und Veronica Carstens-Stiftung,
die sich der
Förderung von Projekten aus dem Bereich der Alternativmedizin
verschrieben hat. Mit
einer Million Euro finanzieren die Gönner Witts Stiftungslehrstuhl für
die nächsten
fünf Jahre.


Doch was haben Qigong und Schröpfkopf an einer seriösen Spitzenuni zu
suchen? Als
neuen Forschungsschwerpunkt der ehrwürdigen Uni-Klinik möchte Detlev
Ganten, Phar-
makologe und Vorstandsvorsitzender der Charité, die alternative
Heilkunst nicht
gerade sehen: "Im Verhältnis zur wissenschaftlichen und klinischen
Leistungsfähig-
keit der Charité in klassisch universitätsmedizinischen Domänen spielt
die Erfor-
schung der Komplementärmedizin nur eine untergeordnete Rolle."


Doch bald schon kann sich seine Charité über weitere Professorenjobs
in ähnlichen
Sujets freuen: Der Kneipp-Bund und ein Berliner Krankenhaus spendieren
je eine Pro-
fessur zum Thema Naturheilverfahren.


"Die Nachfrage ist da, die Verfahren werden eingesetzt. Es ist auch
Teil des Auf-
trags an eine große akademische Einrichtung wie die Charité, hier für
Erhellung
zu sorgen und dieses Feld nicht Scharlatanen zu überlassen", erklärt
Charité-Chef
Ganten. Denn trotz fehlender wissenschaftlicher Belege für deren
Wirksamkeit ver-
trauen immer mehr Patienten der Heilkraft homöopathischer Kügelchen
oder chinesi-
scher Kräuter - 60 000 Ärzte verordnen hierzulande regelmäßig
Präparate aus Homöo-
pathie oder Naturheilkunde.


Der Alternativ-Boom an der Charité verblüfft dennoch - vor allem, weil
die Hoch-
schulmedizin dem Feld bislang aus guten Gründen weitgehend ablehnend
gegenüber-
stand. Wie etwa Hochpotenzhomöopathie wirken soll, können auch deren
Anhänger
nicht erklären. So hoch sind die Verdünnungen, dass sich im Medikament
nicht
ein einziges Wirkstoffmolekül nachweisen lässt. Jung-Professorin Witt
hat das
in ihrer Promotion selbst bewiesen: Mittels Massenspektroskopie
untersuchte sie,
wie sich homöopathische Medikamente physikalisch vom reinen
Lösungsmittel unter-
scheiden, in dem sie enthalten sein sollen. Ergebnis: gar nicht.


"Das heißt aber nicht, dass Homöopathie nichts bewirkt", erklärt die
Epidemiologin
unverdrossen. "Man muss sie im Kontext erforschen, und das geht eben
nicht nur mit
placebokontrollierten Studien." So muss ein Homöopath seinen Patienten
ausführlich
befragen, ehe er die passenden Globuli hervorholt - der Kranke fühlt
sich ernst
genommen und erwartet allein deswegen Linderung. "Sehr viel Wirkung
der Homöopathie
ist auf andere Faktoren wie etwa den Kontext zurückzuführen", glaubt
Witt, "die
Arznei selbst macht nur einen kleinen Teil aus."


Oder gar keinen. "Mit dieser Argumentation können Sie auch Aspirin
verschreiben,
wenn Sie vorher nett zum Patienten sind", sagt Edzard Ernst, der an
der Universität
von Exeter seit Jahren alternative Heilmethoden erforscht und Studien
zum Thema
bewertet. "In der Komplementärmedizin machen Forscher gern geltend,
dass für sie
die Regeln der Wissenschaft modifiziert werden müssten." In der
Medizin dürfe es
aber nicht zweierlei Standards geben.


"Es gibt zu wenige gute Studien zu diesen Themen", sagt auch Peter
Sawicki, Leiter
des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen,
"insofern
ist es zu begrüßen, wenn sie auch an den Universitäten erforscht
werden." Für An-
hänger vieler Alternativmethoden dürfte das eher kein Grund zur Freude
sein: "Wenn
die Studien wissenschaftlich hochwertig sind, wird man ziemlich oft zu
dem Schluss
kommen müssen, dass viele Methoden nichts taugen."


Il mittente di questo messaggio|The sender address of this
non corrisponde ad un utente |message is not related to a real
reale ma all'indirizzo fittizio|person but to a fake address of an
di un sistema anonimizzatore |anonymous system
Per maggiori informazioni |For more info
[url down]




Antworten Antwort an Autor Weiterleiten Diese
Mitteilung bewerten: Text for clearing space







Sie müssen sich anmelden, bevor Sie Nachrichten veröffentlichen
können.
Bevor Sie eine Nachricht posten können, müssen Sie zunächst dieser
Gruppe beitreten.
Bitte aktualisieren Sie vor dem Posten in den Abonnementeinstellungen
Ihren Spitznamen.
Sie haben nicht die erforderliche Berechtigung zum Posten.


Betreff der Diskussion wurde in Artikel aus Spiegel 21-2008: Mit
Nadeln und Kügelchen geändert" von Reinhard








2. Reinhard Profil anzeigen
Weitere Optionen 19 Mai, 05:59

Newsgroups: de.alt.naturheilkunde
Von: Reinhard <rba>
Datum: Sun, 18 May 2008 20:59:30 -0700 (PDT)
Lokal: Mo 19 Mai 2008 05:59
Betreff: Re: Artikel aus Spiegel 21-2008: Mit Nadeln und Kügelchen
Antworten | Antwort an Autor | Weiterleiten | Drucken | Einzelne
Nachricht | Original anzeigen | Entfernen | Diese Nachricht melden |
Nachrichten dieses Autors suchen
Hallo Schorsch ;-)

On 19 Mai, 00:40, George Orwell <nob> wrote:



> Mit Nadeln und Kügelchen


> Die Berliner Charité richtet die erste Professur für "Komplementärmedizin" ein.


<ähem> in Deutschland ,,,

> Was haben Homöopathie und Qigong in der universitären Forschung zu suchen?


weil sie sich bestens bewährt haben...

Die Akupunktur bewährt sich z.B. seit 7000 Jahren und die Homöopathie
seit 200 Jahren. Mit deutscher Gründlichkeit hat man mehrere
medizinische Fachgebiete ignoriert, ja sogar bekämpft. Kneipp hat vor
der Antibiotika-Ära mit seiner Therapie sogar die "unheilbare" Tbc
geheilt. Bis heute hat niemand sich dafür ernsthaft interessiert, wie
das eigentlich funktioniert. Nachdem wir heute wegen Antibiotika-
Resistenz fast kein wirksames Antibiotikum mehr haben, wird es höchste
Zeit, nach nichtmedikamentösen Alternativen zu suchen.


Aus der schamanischen Pflanzenheilkunde bezog und bezieht die
Industrie viele wichtige Wirkstoffe und Drogen. Ich erwähne mal nur
Aspirin als einen der ersten und Taxol aus der Eibe (gegen Krebs) als
einen der letzten Wirkstoffe.


Die Ernährungsmedizin hat sich seit vielen Jahren als medizinisches
Fachgebiet an mehreren Hochschulen etabliert. Man behandelt
ernährungstherapeutisch seit langem sogar Krebskranke. Die ersten
Ärzte, die das wagten, wurden in großen Schauprozessen massakriert.
Nicht vieles ist bekanntlich wichtiger als die Ernährung. Da will man
doch wissen, wie das im einzelnen funktioniert.

Damit eng verbunden ist die Orthomolekulare Medizin des zweifachen
Nobelpreisträger Linus Pauling mit sowohl großartigen Heilungs-
Möglichkeiten, als auch Risiken. Das alles ist von der deutschen
Staatsmedizin bisher nicht beachtet worden.

Ich vermute, daß auch Kostengründe und die erschreckenden
demographischen Aussichten, sowie die Krankenpflege und Hausmittel
zur
Selbstbehandlung eine Rolle spielen. Die Pharmaindustrie ist
entschieden zu teuer für unsere Gesellschaft.

Weil also ein ein starkes gesellschaftliches Bedürfnis besteht, daß
sich Forschung, Lehre und Praxis ernsthaft mit der
Komplementärmedizin
beschäftigen, da wäre es doch unvernünftig, sich Ohren, Augen und Mund
zuzuhalten und zu sagen: "Das alles wollen wir gar nicht wissen".

Vielleicht hat sogar die Industrie nachgefragt und wollte endlich so
einen Lehrstuhl haben. Die Industrie braucht vermutlich die meisten
Fachleute, ohne daß solche bisher zur Verfügung stehen.

Gruß
Reinhard
 #4  
19.05.2008, 05:52
Reinhard
Hallo Schorsch ;-)

On 19 Mai, 00:40, George Orwell <nob> wrote:

> Mit Nadeln und Kügelchen


> Die Berliner Charité richtet die erste Professur für "Komplementärmedizin" ein.


<ähem> in Deutschland ,,,

> Was haben Homöopathie und Qigong in der universitären Forschung zu suchen?



weil sie sich bestens bewährt haben...

Die Akupunktur bewährt sich z.B. seit 7000 Jahren und die Homöopathie
seit 200 Jahren. Mit deutscher Gründlichkeit hat man mehrere
medizinische Fachgebiete ignoriert, ja sogar bekämpft. Kneipp hat vor
der Antibiotika-Ära mit seiner Therapie sogar die "unheilbare" Tbc
geheilt. Bis heute hat niemand sich dafür ernsthaft interessiert, wie
das eigentlich funktioniert. Nachdem wir heute wegen Antibiotika-
Resistenz fast kein wirksames Antibiotikum mehr haben, wird es höchste
Zeit, nach nichtmedikamentösen Alternativen zu suchen.

Aus der schamanischen Pflanzenheilkunde bezog und bezieht die
Industrie viele wichtige Wirkstoffe und Drogen. Ich erwähne mal nur
Aspirin als einen der ersten und Taxol aus der Eibe (gegen Krebs) als
einen der letzten Wirkstoffe.

Die Ernährungsmedizin hat sich seit vielen Jahren als medizinisches
Fachgebiet an mehreren Hochschulen etabliert. Man behandelt
ernährungstherapeutisch seit langem sogar Krebskranke. Die ersten
Ärzte, die das wagten, wurden in großen Schauprozessen massakriert.
Nicht vieles ist bekanntlich wichtiger als die Ernährung. Da will man
doch wissen, wie das im einzelnen funktioniert.

Damit eng verbunden ist die Orthomolekulare Medizin des zweifachen
Nobelpreisträger Linus Pauling mit sowohl großartigen Heilungs-
Möglichkeiten, als auch Risiken. Das alles ist von der deutschen
Staatsmedizin bisher nicht beachtet worden.

Ich vermute, daß auch Kostengründe und die erschreckenden
demographischen Aussichten, sowie die Krankenpflege und Hausmittel
zur
Selbstbehandlung eine Rolle spielen. Die Pharmaindustrie ist
entschieden zu teuer für unsere Gesellschaft.

Weil also ein ein starkes gesellschaftliches Bedürfnis besteht, daß
sich Forschung, Lehre und Praxis ernsthaft mit der
Komplementärmedizin
beschäftigen. Da wäre es doch unvernünftig, sich Ohren, Augen und
Mund zuzuhalten und zu sagen: "Das alles wollen wir gar nicht
wissen".

Vielleicht hat sogar die Industrie nachgefragt und wollte endlich so
einen Lehrstuhl haben. Die Industrie braucht vermutlich die meisten
Fachleute, ohne daß solche bisher zur Verfügung stehen.

Gruß
Reinhard
 #5  
19.05.2008, 13:06
Gottfried Stutz
> Was haben Homöopathie und Qigong in der universitären Forschung zu suchen?

Man braucht etwas, was nichts nützt aber viel Geld bringt und die
Lücke der verbotenen Orthomolekular- und Phytomedizin füllt.
 #6  
19.05.2008, 14:25
Ursula Winkler
Anonymous Sender wrote:

> "Es gibt zu wenige gute Studien zu diesen Themen", sagt auch Peter Sawicki, Leiter
> des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, "insofern
> ist es zu begrüßen, wenn sie auch an den Universitäten erforscht werden." Für An-
> hänger vieler Alternativmethoden dürfte das eher kein Grund zur Freude sein: "Wenn
> die Studien wissenschaftlich hochwertig sind, wird man ziemlich oft zu dem Schluss
> kommen müssen, dass viele Methoden nichts taugen."


Es gibt laengst genug Studien, nur sind deren Resultate irrelevant. Die meisten
Patienten wollen gar nicht wissen, ob eine Wirkung objektiv bewiesen ist, weil es ihnen
letztendlich nur aufs Glauben ankommt, und viele Behandelnde, die es zwar besser
wissen, fragen sich, warum sie von diesem Patientenkreis nicht profitieren sollen.
Daran werden auch -zig weitere Studien nichts aendern, denn selbst wenn irgendeine
"Alternativmethode" durch Objektivierung an Popularitaet verlieren sollte, wird die
naechste schon darauf warten, deren Stellung einzunehmen.
 #7  
19.05.2008, 15:39
Reinhard
On 19 Mai, 16:25, Ursula Winkler <ursulawink> wrote:
> Anonymous Sender wrote:
> > "Es gibt zu wenige gute Studien zu diesen Themen", sagt auch Peter Sawicki, Leiter
> > des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, "insofern
> > ist es zu begrüßen, wenn sie auch an den Universitäten erforscht werden."


Dem kann man sich anschließen. Es geht nicht um Alternativen, sondern
um Ergänzung. Ich habe eigentlich Vertrauen zur Charite - ganz im
Gegensatz zum Spiegel. Ich erinnere da bloß an die vom Spiegel zu
verantwortenden Hitler-Tagebücher.

Es ist zu begrüßen, daß die Charite nun die Komplementärmedizin auf
eine solidere Grundlage stellen will. Es gibt viel zu tun. Ich
erinnere bloß an die Akupunktur-Studien gerac, die vielen Skeptikern
wohl die Augen geöffnet haben. In den deutschen Krankenkassen scheint
das Projekt dankbare Förderer zu finden.

Reinhard
 #8  
19.05.2008, 17:42
Gottfried Stutz
Reinhard schrieb:
> Ich erinnere da blo� an die vom Spiegel zu
> verantwortenden Hitler-Tageb�cher.


Das war der Stern, nicht der Spiegel!
 #9  
19.05.2008, 21:09
Lars Braesicke
Reinhard schrieb:

> um Ergänzung. Ich habe eigentlich Vertrauen zur Charite - ganz im
> Gegensatz zum Spiegel. Ich erinnere da bloß an die vom Spiegel zu
> verantwortenden Hitler-Tagebücher.


Stern oder Spiegel, scheißegal, gell?

Lars
 #10  
20.05.2008, 01:49
Reinhard
On 19 Mai, 23:09, "Lars Braesicke" <braesi> wrote:
>
> Stern oder Spiegel, scheißegal, gell?
>
> Lars


Ja. Der eine ist so sensationslüstern wie der andere. Ich sehe auch im
Fernsehen oft vergleichbare Sendungen. Nur die eigene Erfahrung hat
den Vorzug absoluter Gewißheit.

Der Einzelne hat es schwer, sich in den vielen teil kommerziellen
Interessen zurecht zu finden, und weiß oft nicht, wen er nachplappern
soll.

Ich nehme an, daß auch die Ergebnisse von gerac dazu anregten,
endlich mal die Grundlagen ordentlich zu lehren.

Reinhard
 #11  
20.05.2008, 02:33
Reinhard
Hallo allerseits,

On 19 Mai, 16:25, Ursula Winkler <ursulawink> wrote:
> Anonymous Sender wrote:
> > "Es gibt zu wenige gute Studien zu diesen Themen", sagt auch Peter Sawicki, Leiter
> > des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, "insofern > > ist es zu begrüßen, wenn sie auch an den Universitäten erforscht werden."


Da hat er völlig Recht. Es gibt aber auch viele Mittel und Methoden,
die völlig unstrittig sind, während viele studienmäßig scheinbar exact
begründete Mittel sich als Flop erwiesen haben. Ich erinnere mal nur
an Contergan. Man müßte mal eine Studie über korrupte Ärzte machen.

Für An-
> > hänger vieler Alternativmethoden dürfte das eher kein Grund zur Freude sein: "Wenn > > die Studien wissenschaftlich hochwertig sind, wird man ziemlich oft zu dem Schluss > > kommen müssen, dass viele Methoden nichts taugen."


Das soll mir Recht sein. Es kommt aber nicht nur auf sogenannte
Studien an, die immerhin nur Teilaspekte beleuchten können, sodern vor
allem auf de Grundlagen.

> Es gibt laengst genug Studien, nur sind deren Resultate irrelevant. Die meisten
> Patienten wollen gar nicht wissen, ob eine Wirkung objektiv bewiesen ist, weil es ihnen
> letztendlich nur aufs Glauben ankommt,


Sie haben Vertrauen zum Behandler und zum Hersteller. Contergan wurde
seinerzeit von den Marketingspezialisten als besonders günstig für
Schwangere empfohlen...

Ich kaufe einen Kühlschrank auch lieber nach dem Herstellernamen. Das
kann, wie man von Siemens weiß, auch schiefgehen.

und viele Behandelnde, die es zwar besser
> wissen, fragen sich, warum sie von diesem Patientenkreis nicht profitierensollen.


> Daran werden auch -zig weitere Studien nichts aendern, denn selbst wenn irgendeine
> "Alternativmethode" durch Objektivierung an Popularitaet verlieren sollte,wird die
> naechste schon darauf warten, deren Stellung einzunehmen.


Wenn du dabei an mystische Mittel wie Ukrain denkst, stimme ich dir
zu.

Ich hoffe, daß die Berliner nicht jedes einzelne Mittel beleuchten
wollen. Das wäre tatsächlich sehr verwirrend. Wie das in seriösen
Wissenschaften üblich ist, wird man vielleicht vom allgemeinen,
gesicherten ausgehen. In der Ernährungsmedizin ist das gelungen.

Die Komplementärmedizin ein sehr weites Feld. An Themen wird es nicht
mangeln.

Gruß
Reinhard
 #12  
20.05.2008, 17:46
Martin Gerken
On Mon, 19 May 2008 16:25:38 +0200, Ursula Winkler
<ursula.winkler> wrote:

>Anonymous Sender wrote:
>>Es gibt laengst genug Studien, nur sind deren Resultate irrelevant. Die meisten

>Patienten wollen gar nicht wissen, ob eine Wirkung objektiv bewiesen ist, weil es ihnen
>letztendlich nur aufs Glauben ankommt, und viele Behandelnde, die es zwar besser
>wissen, fragen sich, warum sie von diesem Patientenkreis nicht profitieren sollen.
>Daran werden auch -zig weitere Studien nichts aendern, denn selbst wenn irgendeine
>"Alternativmethode" durch Objektivierung an Popularitaet verlieren sollte, wird die
>naechste schon darauf warten, deren Stellung einzunehmen.


Es ist öffentliche Geldverschwendung, an Methoden zu forschen, die schon
theoretisch nicht funktionieren können.

Mehr dazu: http://www.sciencebasedmedicine.org/?p=118
http://scienceblogs.com/insolence/20...aggregator.php

cu, Martin
 #13  
20.05.2008, 21:33
Lars Braesicke
Martin Gerken schrieb:
> Es ist öffentliche Geldverschwendung,


Immer noch besser als eine geheime Geldverschwendung.

> an Methoden zu forschen, die
> schon theoretisch nicht funktionieren können.


Was existiert ist wert, erforscht zu werden.

Lars
Ähnliche Themen
Artikel aus Spiegel 18-2008: Unsichtbarer Unimog

W A F F E N T E C H N I K Unsichtbarer Unimog Ein deutscher Erfinder hat in der Wüste Arabiens eine Radar- Tarnfarbe gebraut. Ein Institut bei Bonn testete sie....

Artikel aus Spiegel 20-2008: Superrechner im Wohnzimmer

Superrechner im Wohnzimmer Am Teilchenbeschleuniger Cern bei Genf entsteht das Internet der Zukunft: Es bietet weitaus schnellere Verbindungen und verfügt über eine fast...

Artikel aus Spiegel 21-2008: Mit Nadeln und Kügelchen

Mit Nadeln und Kügelchen Die Berliner Charité richtet die erste Professur für "Komplementärmedizin" ein. Was haben Homöopathie und Qigong in der universitären Forschung zu...

Artikel aus Spiegel 17-2008: Viren in der Trillerpfeife

G E S U N D H E I T Viren in der Trillerpfeife Zur Fußball-EM droht eine Masernepidemie aus der Schweiz auf Deutschland über- zugreifen. Einziger Schutz für Spieler und...


Alle Zeitangaben in WEZ. Es ist jetzt 03:17 Uhr. | Privacy Policy