hilpers


  hilpers > alt.* > alt.fan.aldi

 #91  
01.06.2008, 13:17
Sven Bötcher
Hannelore Goos schrieb:
> Am Sat, 31 May 2008 12:39:26 +0200 schrieb Sven Bötcher:
>
>> Was ne Lachnummer!
>> Für wen macht sich Verdi denn stark ausser für das, was man
>> medienwirksam verkaufen kann?

>
> Für die Bereiche, in denen es Mitglieder gibt, die sich engagieren.


Wenn ich mich *selber* engagieren soll, wieso soll ich dann noch Verdi
*dafür* bezahlen?


>> Das gibt es so viele "Randgruppen", für
>> die hat Verdi nicht einmal einen Fachbereich und wenn doch dann hat der
>> keine Ahnung und ist nutz- und wirkungslos.

>
> Vielleicht weil es da nur Mitglieder gibt, die glauben, für den Beitrag
> könnten sie sich das Engagement "kaufen"? Eine Gewerkschaft ist eine
> Solidargemeinschaft, in der jeder a) Mitarbeit und b) Beitrag einbringt.
> Eine Gewerkschaft ist kein Dienstleistungsunternehmen.


Ach deshalb bin ich mit denen nicht klar gekommen. Ich dachte immer,
dass ich für Bezahlung auch eine Leistung *erhalte* und nicht *erbringe*.

Bye
Sven
 #92  
01.06.2008, 13:22
Sven Bötcher
Tilman Hausherr schrieb:
> On Sat, 31 May 2008 12:39:26 +0200, Sven Bötcher
> <svenwantsnospam> wrote:
>
>>> Und die Kriecher rausschmeißen aus der Gewerkschaft.

>> Also die ganzen Funktionäre. Ich bin grade ausgetreten aus dem
>> Kackverein. Das eine Prozent vom Jahresbrutto kann ich wirklich besser
>> anlegen. Bekomme ich nämlich gar nicht wieder rein durch die 9 Cent pro
>> Stunde, die sie in der letzten Tarifrunde für mein Gewerbe rausgeholt haben.

>
> In welcher Branche arbeitest Du?



Lt. Verdi "Besondere Dienstleistungen". FB 13, dort wo man den ganzen
Rest reingeknallt hat, der woanders nicht passte.

Bye
Sven
 #93  
01.06.2008, 13:23
Torsten Schneider
Ralf Kusmierz schrieb:
>
> Die Kunde hört ich wohl - könntest Du das vielleicht auch mal belegen?
>


Da wäre erst einmal Konrad dran.
Er hat die Aussage:
"Es gibt sehr viele Produkte, die wir so gut und billig produzieren
können wie sonst keiner auf der Welt, Exporte von 1 Billion € (2007)
kommen ja nicht von ungefähr."
in den Raum gestellt.
Eine Beleg für die Aussagekraft des Exportumfangs bleibt er aber
schuldig, weil er die systemische Umwelt nicht betrachten möchte.

und nein:
Ich gehe jetzt nicht in den Keller, krame die Unerlagen aus den
Vorlesungen und Seminaren aus dem Themenbereich "Wirtschaft &
Gesellschaft" raus und suche die dort angesprochenen Untersuchungen raus.
Sorry, aber das ist mir für eine Usenet-Diskussion zu viel Aufwand.

Wenn Du es mir ohne Beleg nicht glaubst macht mir das sehr wenig aus.
Wenn Du sagst, 2+2 = 4 verlange ich ja auch keinen mathematisch
schlüssigen Beweis von Dir.
Zumindest vor wenigen Jahren wurde es an der Uni so gelehrt und meiner
Meinung nach geht die Glaubwürdigkeit von Professoren innerhalb ihrer
Lehrveranstaltungen und die Glaubwürdigkeit der entsprechenden
Fachliteratur durchaus über die von Medien und Politikern hinaus.

Es KANN auch sein, dass es heute anders ist, aber ich kann mir schwer
vorstellen, dass eine Statistik, die über Jahrzehte nicht (bzw. nur sehr
unsauber) bereinigt wurde plötzlich ganz sauber ist.

Gruß,

Torsten
 #94  
01.06.2008, 13:46
Ralf Kusmierz
X-No-Archive: Yes

begin quoting, Joerg-Olaf Schaefers schrieb:

>> Du hast seltsame Autarkieideen. Völlig natürlich lohnt es sich nicht,
>> Dinge in D zu produzieren deren Produktion sich hier nicht lohnt.
>> Es gibt sehr viele Produkte, die wir so gut und billig produzieren
>> können wie sonst keiner auf der Welt, Exporte von 1 Billion ? (2007)
>> kommen ja nicht von ungefähr.

> Aehm. Wir exportieren nicht soviel, weil wir billig produzieren.
> Ganz im Gegenteil, eigentlich. Und das ist Teil des Problems.
>> Und dass wir uns keine Sorgen darüber
>> machen sollten, zu importieren was hier nicht lukrativ produziert
>> werden kann, zeigt ein Exportüberschuss von 200 Milliarden ?.

> Doch, genau das sollte uns Sorgen bereiten. Genau das.


Dieser "Export?schu? ist Voraussetzung daf?da?wir im Ausland
Urlaub machen k?n und Entwicklungshilfe zahlen - Du verwechselst
offenbar Handels- und Leistungs- bzw. Zahlungsbilanz. (Die Alternative
zu - sinnvoller - Entwicklungshilfe sind Streitkr?eeins?e; man
darf ? das Kosten-Nutzen-Verh?nis meditieren.)

(Anderer Aspekt: Wenn wir auf Dauer nicht die Mittel f?ie
Altersversorgung im Inland erwirtschaften k?n, dann mu?das
offenbar das Ausland tun: Wir m?n also Kapital im Ausland bilden,
damit wir sp?r von dessen Ertr?n (und damirt notwendigerweise
verbunden mit einer negativen Handelsbilanz) leben k?n - wie, wenn
nicht durch Export?sch?, sollen wir diese Investitionen denn
finanzieren?)

> Nichts gegen ein übersichtliches Weltbild, dieses Wirtschaftdings
> ist ja auch furchtbar komplex. Aber, was bringt dich auf die Idee,
> dass ein Missverhältnis zwischen Import-/Exportwirtschaft volks-
> wirtschaftlich erstrebenswert ist?


O. a. grunds?liche ?erlegungen vielleicht?

> Tatsächlich ist das genau das Gegenteil der Fall und das Gefasel,
> wir können es allein durch Exporte und Dienstleistungen behaupten,
> nichts anderes als ein volkswirtschaftlicher Selbstmord aus Furcht
> vor dem Tod.


Du m?est dar? noch einmal nachdenken.

> Warum das so ist, kann man sich in einer ruhigen Stunde gerne mal
> überlegen (Stichwort: globales Nullsummenspiel). Oder hier bei Jens
> Berger nachlesen:
> [..]
> --snip--
> [...] Da es in der globalen Gesamtwirtschaft aber keine Überschüsse und
> kein Defizite gibt, muss der deutsche Exportüberschuss von anderen
> Ländern auf ?Pump? finanziert werden.


Schon falsch. Ein Zahlungsbilanzausgleich braucht nicht durch ein
Handelsbilanzgleichgewicht zu erfolgen. Und eine Finanzierung "auf
Pump" bedeutet, da?der Lieferant gegen? der Volkswirtschaft des
Importeurs Forderungen erwirbt, also dort investiert - ein beiderseits
offenbar sehr gew?hter Vorgang. (Die "Empf?erl?er" m?n
nat?ch ggf. noch lernen bzw. begreifen, da?die Investoren das
nicht aus reiner N?stenliebe tun, sondern daf?p?r entnehmbare
Ertr? erwarten - irgendwelche "Schuldenmoratorien" laufen diesen
Verzinsungsideen eher zuwider.)

> Wer weiterliest (oder gar das besprochene Buch) versteht auch, warum
> es im Grunde eine ziemlich gute Idee ist, nicht nur Milchbauern ange-
> messen zu bezahlen, anstatt die eigene Binnenwirtschaft suzessive durch
> die Paradigmen eines (angeblich) globalisierten Weltmarktes (das mit
> dem Protektionismus haben andere besser drauf) zerstören zu lassen.


Milchbauern sind wie alle Branchen durch Weltmarktpreise ausreichend
bezahlt. Es ist und bleibt eine d?iche Idee, im Inland
Wirtschaftsleistungen zu erbringen, die von anderen wirtschaftlicher
geleistet werden k?n (meistens jedenfalls:
<http://de.wikipedia.org/wiki/Komparativer_Kostenvorteil>).

> PS: Setzt bitte ein follow'up in eine thematisch passende Gruppe.


In einer "thematisch passenden Gruppe" schrieb ich neulich:

"Die Alternative ist ganz einfach: Entweder arbeiten deutsche AN (und
zwar auf die Dauer alle) zu chinesischen Lohnh?, oder sie arbeiten
gar nicht, weil dann n?ich die Chinesen deren Arbeit machen. Und das
ist genau dann der Fall, wenn die Entwicklungsl?er die
Wettbewerbsvorteile der entwickelten L?er (im wesentlichen
Ausbildungsstand und Infrastruktur) aufgeholt haben. Und weil auf die
Dauer nicht die Mittel vorhanden sind, um die arbeitsunwilligen
deutschen AN zu alimentieren, werden die automatisch China-L?
akzeptieren, schlicht deswegen, um nicht zu verhungern."
(<news:g1rks0$i1g$1>)

> Hier ist die Diskussion längst offtopic.


Das sehen diverse Diskutanten und Gau-Bauernf?r offenbar anders.


Gru?aus Bremen
Ralf
 #95  
01.06.2008, 14:27
Ralf Kusmierz
X-No-Archive: Yes

begin quoting, Jo Tin schrieb:

>> Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Betrieb Milchvieh hält, wenn
>> ihn das ständig Verluste einespielt. Ich kann ir insbesondere nicht
>> vorstellen, wie man noch zusätzliche Kosten (angekaufte Milchquote)
>> auf sich nimmt um noch mehr Verlust einzuspielen. Entweder sind die
>> Milchbauern dümmer als jedes Milchmädchen und gehören entmündigt oder
>> sie lügen mit diesen Verlustbehauptungen, dass sich die Balken biegen.
>> Eine dritte Erklärung sehe ich nicht.

> Vielleicht dass sie von der Substanz leben.
> Evtl. muss eigentlich einiges erneuert werden (Traktor, Stall, Melkanlage..)
> man schiebt es aber immer auf wegen zu wenig Geld.


Und was macht ein verantwortungsbewu?er Untenehmer, wenn er sieht,
da?er langfristig nicht wirtschaftlich (=rentierlich) arbeiten kann?
Richtig: den Laden dicht!

> Im übrigen kann jeder das sehen wie er es will. Es ist doch niemand
> gezwungen die Milch zu diesem Preis zu kaufen, wenn die Milch den von den
> Bauern geforderten Preis wert ist, werden die Abnehmer darauf eingehen,
> wenn nicht dann eben nicht.


Da hast Du offenbar etwas grunds?lich mi?erstanden: In praktisch
allen Wirtschaftsbereichen sind die Nachfrager bereit, u. U.
wesentlich mehr zu bezahlen als den aktuellen Marktpreis. Der Sinn der
Wettbewerbswirtschaft besteht aber gerade darin, die Ausnutzung dieser
Abh?igkeit durch Anbietermonopole (oder -kartelle), die den Preis
auf den Cournotschen Punkt treiben, zu verhindern, und einen
Gleichgewichtspreis am Markt zu etablieren, der auf beiden Seiten zu
einem Wohlstandsoptimum f?. Und das wird nat?ch dadurch
verhindert, wenn man anderen, weitaus billigeren Anbietern den
Marktzutritt nicht gestattet.

Auf deutsch gesagt: Diejenigen Mittel, die die europ?chen Bauern als
Agrarsubventionen hinten reingeschoben bekommen, fehlen anderswo sehr
schmerzlich. Da haben offenbar ein paar Ewiggestrige die Zeichen der
Zeit verschlafen: Subventionsabbau und Freihandel hei? die Devise.
Esist ohnehin unverst?lich, da?die WTO den europ?chen
Agrarprotektionismus schon so lange hinnimmt - er schadet beiden
Seiten, und die entsprechenden Argumente dagegen haben schon an die
zweihundert Jahre auf dem Buckel.

> Hier die Bauern als Gierhälse zu betiteln finde ich doch etwas seltsam. Ich
> kann nicht erkennen dass sie sich so unendlich viel leisten können. Gönnt
> ihr ihnen den Mercedes nicht, jeder Mittelständische Betrieb hat mehrere
> davon, und muss nicht Samstag und Sonntag dafür arbeiten.


Ihnen sei alles geg?, was sie erwirtschaften k?n - unter
Ber?ichtigung der Belange des Naturschutzes und vor allem unter
globalen Wettbewerbsbedingungen. Aber f?in deutschland- oder gar
europaweites Agrarmuseum ist nicht mehr der Platz und fehlen vor allem
die Mittel.

> Woher kommt dieser Hass auf die Bauern?


Von deren Habgier?

> Wenn Strom, Gas, Benzin, Heizöl,
> Auto, Urlaub..... teurer werden jammert man mal eben, es wird aber
> anstandslos bezahlt (und einiges davon ist unumgänglich), wegen 5-10 Cent
> bei der Milch wird aber ein Zwergenaufstand veranstaltet (ihr müsst die
> Milch doch gar nicht kaufen).


Richtig: Milch mu?man nicht kaufen (Eltern m? es anders sehen).
Das ist aber keine Entschuldigung f?onopolistische
Gewinnmaximierung auf Kosten der Volkswirtschaft.

> Was wird wohl passieren wenn die Bauern tatsächlich 5 Cent mehr bekommen.


Sie werden nicht mehr bekommen, eher weniger. Die Aktion ist ein
gewaltiger Rohrkrepierer.

> Ich denke Aldi und Co werden sich dann eben 10 Cent gönnen.


Das kann man so nicht sagen: U. a. auch die Milchpreise sind (wie z.
B. auch Schokoladenpreise) Signalpreise. Die Einzelh?ler haben
hauts?lich das Interesse, den Kunden auch in den Laden zu bekommen,
da legen sie ggf. bei Produkten, an denen sie ohnehin nur wenig
verdienen, ein wenig drauf. Es ist also tats?lich nicht
vorherzusagen, wie sich die Preise entwickeln.

Wovon reden wir denn? La?mal ein Kind t?ich einen halben Liter
Milch verbrauchen, das sind dann 15 l pro Monat, oder bei vier Kindern
60 l. Und wenn jetzt das Liter 20 Cents mehr kostet, dann zahlt die
"kinderreiche Familie" also 12 Euro monatlich oder 144 Euro j?lich
mehr - unter Ber?ichtigung von 7.692 Euro Kindergeld macht das
davon 1,87 % aus - nicht so extrem wenig, aber auch nicht ?m?g
viel. Nur: Der Milchpreis mag in Zukunft 70 Cents betragen - ohne den
europ?chen Agrarprotektionismus l? er bei 40 Cent, und das sind
bei vier Kindern dann schon 216 Euro pro Jahr Unterschied, und ?
ziemlich viele Familien "l?ert" sich das. Sollten uns das die
Museumsbauern wert sein? Ich denke, nicht. (Hoffe, ich habe mich nicht
verrechnet.)

Alternativen, au?r dem Freihandel? Aber sicher doch: Wir haben ein
Millionenheer von wenig qualifizierten Arbeitslosen. Verstaatlichen
wir die Milchwirtschaft doch einfach durch die Bildung
landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften, nutzen die
Skaleneffekte von Gro?etrieben und lassen die durch Arbeitnehmer
betreiben, und die Milch wird dann zu staatlich festgesetzten
Einheitspreisen an Endverbraucher abgegeben. Kommt Dir bekannt vor?
Funktioniert auch hervorragend! (Und wer w?t wohl nicht Die Linke?)


Gru?aus Bremen
Ralf
 #96  
01.06.2008, 14:30
Ralf Kusmierz
X-No-Archive: Yes

begin quoting, Detmar Kleensang schrieb:

>> Woher kommt dieser Hass auf die Bauern? Wenn Strom, Gas, Benzin, Heizöl,
>> Auto, Urlaub..... teurer werden jammert man mal eben, es wird aber
>> anstandslos bezahlt (und einiges davon ist unumgänglich),

> Ergänzung: es wird gestreikt, bis man mehr Gehalt bekommt.


Oder gar keines mehr, wenn der betrieb n?ich wegen zu hoher Kosten
zugemacht wird, s. Nokia in Bochum.


Gru?aus Bremen
Ralf
 #97  
01.06.2008, 15:44
Tilman Hausherr
On Sun, 01 Jun 2008 01:14:14 +0200, Detmar Kleensang <detmar>
wrote:

>Tilman Hausherr schrieb:
>
>> Kartell ist wenn Anbieter sich zusammenschliessen um Preise abzusprechen
>> zum Nachteil der Käufer. Genau das versuchen die Bauern.

>
>Und trifft somit eben nicht auf die Bauern zu. Denn die bieten den
>Käufern ja nichts an.


???
 #98  
01.06.2008, 16:17
Detmar Kleensang
Tilman Hausherr schrieb:
> On Sun, 01 Jun 2008 01:14:14 +0200, Detmar Kleensang <detmar>
> wrote:
>
>> Tilman Hausherr schrieb:
>>
>>> Kartell ist wenn Anbieter sich zusammenschliessen um Preise abzusprechen
>>> zum Nachteil der Käufer. Genau das versuchen die Bauern.

>> Und trifft somit eben nicht auf die Bauern zu. Denn die bieten den
>> Käufern ja nichts an.

>
> ???
>


Aua. Dich mal zärtlich mit der Nase in die Milch dippe ;-)

Es geht hier doch wohl immernoch um den Milchstreik, oder habe ich eine
Themaänderung nicht mitbekommen?

Und? Bieten die Bauern den Meiereien noch Milch zum Verkauf an? Die
meisten nicht mehr. Ergo sind die Bauern aktuell _keine_ Anbieter mehr.

Es werden auch keine Absprachen über Preise abgehalten. Es werden
lediglich neue Preisverhandlungen erzwungen.
Wobei: *erzwungen* ja eigentlich auch nicht, denn es steht den Meiereien
und dem Einzelhandel schließlich frei, den Milchlieferboykott zu
ignorieren und einfach keine Milch mehr einzulisten. Wenn angeblich eh
niemand mehr Milch kaufen will wäre das doch eine vernünftige
unternehmerische Entscheidung.

Jedenfalls zieht Dein "Argument" von der Kartellbildung im Falle der
Bauern sowie ihres Milchlieferboykotts glatt NULL.

Jetzt kapiert?

Detmar
 #99  
01.06.2008, 17:25
Konrad Wilhelm
On Sun, 01 Jun 2008 15:01:19 +0200, Detmar Kleensang <detmar>
wrote:

>Konrad Wilhelm schrieb:
>
>Hast Du das System der Quotenregelung verstanden?
>Die Quote liegt nicht in den Händen der Bauern. Die wird von Brüssel
>vorgegeben. Wenn Dir daran etwas nicht passt, beschwere Dich da und
>nicht beim Bauern!
>Die Quote wird ermolken.


Genau das ist der Fehler! Ich schrieb doch: unterhalb der Quote
produzieren, Quote verfallen lassen. Die Quote ist doch von Brüssel
nicht gemacht um ausreichende Milchpreise sicher zu stellen, sondern
um den Butterberg abzubauen, um die Subventionen für Überproduktion in
Grenzen zu halten. Die Marktpreisgestaltung müssen die Landwirte schon
selbst in die Hand nehmen: wenn es nicht rentabel ist wird es auch
nicht gemacht. Milchproduktion ist doch eine Sparte, die sich ziemlich
kurzfristig runter und wieder rauf fahren lässt, in wenigen Jahren.


>Wenn hier weniger produziert wird, dann in
>Italien oder sonstwo entsprechend mehr. An der gesamten auf dem Markt
>befindlichen Milchmenge ändert sich rein gar nichts!


Wenn die Italiener zu den derzeitigen Marktpreisen rentabel
produzieren können, dann muss man denen eben die Milchproduktion
überlassen. Wir haben doch auch nicht den Ergeiz, unrentabel Ananas
oder Orangen oder Bananen zu produzieren, oder, um weniger exotisch zu
sein, Hartweizen.

>Nicht, solange
>Brüssel nichts anderes beschließt.


Die Brüssler Beschlüsse legen eine Obergrenze fest. Kein Landwirt ist
gezwungen, tatsächlich so viel zu produzieren.

>Und wer verzichtet bitteschön freiwillig auf Geld, das er einehmen
>könnte?


Jetzt versteh ich aber überhaupt nichts mehr!
Es geht doch nicht um Gewinne sondern um Verluste, oder?
Jedes einigermaßen vernünftige Unternehmen trennt sich von
verlustreichen Sparten, warum denn dann nicht die deutschen Bauern?

Oder ist das ganze Gerede von Verlusten eben doch nur ein gewaltiges
Lügengebilde und tatssächlich werden doch Gewinne erzielt?

>Du? Ich bleibe mal bei meinem Beispiel von VW:


Ja, ein gutes Beispiel! Die haben mit immensen Kosten den 2-l-Lupo
entwickelt. Als der dann aber keine Gewinne einfuhr hat man die
Produktion sehr schnell wieder eingestellt.

>
>Und woher sollen die Bullen, die Du gemästet sehen willst, was sich im
>übrigen auch nicht wahnsinnig lohnt, jedenfalls nicht als
>Alleinverdienst, herkommen wenn die Kühe abgeschafft worden sind?
>Wachsen die auf Bäumen?


Nein, hast du doch weiter oben schon geschrieben: aus Italien.

>Du quatschst hier fortlaufend einen Käse zusammen ohne Dir mal fünf
>Sekunden Gedanken zu dem Stuss zu machen, habe ich langsam den Verdacht.
>Denke doch bitte ersteinmal nach. Du blamierst Dich doch so nur.


Was ist? Bist du argumentativ am Ende, so dass du jetzt mit
persönlichen Beleidigungen weiter machen musst?
Was kommt dann als nächster Schritt? Blockierst du mit deinem Trecker
meine Garage?

k.
 #100  
01.06.2008, 17:31
Wolfgang.Rank
On 1 Jun., 15:46, Ralf Kusmierz <m...@privacy.invalid> wrote:

> Milchbauern sind wie alle Branchen durch Weltmarktpreise ausreichend
> bezahlt. Es ist und bleibt eine dümmliche Idee, im Inland
> Wirtschaftsleistungen zu erbringen, die von anderen wirtschaftlicher
> geleistet werden können


Ich bin jetzt nicht wirklich ein Experte auf dem Gebiet der
weltwirtschaftlichen Kreislaeufe, aber in meiner Naivitaet scheint
mir Deine Argumentation deutlich zu kurzsichtig:

Den aktuellen Stand zugrundegelegt wirken Deine Thesen plausibel.

Ich gebe jedoch zu bedenken:
"Weltmarktpreise" werden ueber kurz oder lang moeglicherweise kein
entscheidendes Kriterium mehr sein.
Denn in 10 bis 30 Jahren (die Prognosen variieren da je nach Quelle
ein wenig, sind sich aber im Prinzip einig) wird das Oelfoerdermaximum
ueberschritten sein, und spaetestens dann werden die Transportkosten
und nicht mehr die Herstellungskosten einen "Weltmarktpreis"
bestimmen.

Und _dann_ eine neue, eigene Infrastruktur wiederaufzubauen, z.B. in
der
Landwirtschaft, weil sich Selber-Produzieren langsam doch wieder
lohnt,
das _kann_ nicht billiger sein als eine bestehende zu bewahren, oder?

Eine vollstaendige Autarkie im Sinne einer landwirtschaftlichen
Selbst-
versorgung wird freilich nicht möglich sein.
Aber den Bedarf gerade an Grundnahrungsmitteln im eigenen Lande
moeglichst weitgehend konkret zu sichern ist vielleicht (momentan
noch)
nicht billiger, aber IMHO wesentlich zukunftssicherer
als sich von einem abstrakten und von gewinnorientierten Spekulanten
abhaengigen Weltmarktpreis zu orientieren.

Meinjanur.

Wolfgang
 #101  
01.06.2008, 17:39
Konrad Wilhelm
On Sun, 01 Jun 2008 14:51:28 +0200, Jo Tin <joti1234>
wrote:

>Hallo,
>
>Konrad Wilhelm wrote:
>>

>Niemand produziert ganz bewusst Verluste zumindest nicht absichtlich.


Wenn der Landwirt abends seine Buchführung macht und feststellt, dass
er mit jedem Liter Milch die er produziert 10 Cent Verlust macht und
er geht morgens in den Stall, füttert und melkt, dann müsste er schon
morgens sinnlos besoffen sein wenn er nicht ganz bewusst und
absichtlich verlustbringende Milch produziert.

Wenn du mir jetzt erklärst, die Bauern handeln nicht rational sondern
machen das weil

-sie es dem Öhni auf dem Sterbebett versprochen haben
-sie es schon immer so gemacht haben
-doch da jederkommen könnte
-das ja noch schöner wär
-sie es der heiligen Maria von Gundelfingen gelobt haben

dann kann ich das verstehn. Aber das sind eigentlich alles keine
Gründe dafür, dass ich 20 Cent mehr für eine Tüte Milch bezahlen soll.

k.
 #102  
01.06.2008, 18:10
Gerhard Mayer
Hallo

Ralf Kusmierz schrieb:

> Der Aufwand läßt sich direkt am (Hersteller-)Verkaufspreis ablesen:
> Milch kostet 20-25 Cent pro Liter aus der Kuh (weil Kühe nämlich
> praktisch nichts kosten: sie laufen selbständig auf der Wiese rum und
> düngen sie und mähen sie ab, oder man kippt ihnen Heu vors Maul, und
> irgendwann kann man sie sogar noch als Steaks usw. verkaufen), der
> Aufwand (Melkanlage, Veterinär) hält sich also sehr in Grenzen.
> Langfristig kann nämlich kein Anbieter unter Gestehungskosten
> produzieren, also haben die 20+ Cent schon ihre Richtigkeit.


Kannst Du Deinen Phantasiewert irgendwie belegen? Der Vorsitzende des
Bundesverbandes Deutscher Milchbauern Romuald Schaber spricht von 43
Cent Kosten pro Liter Milch.

Cu

Gerhard Mayer
 #103  
01.06.2008, 18:24
Detmar Kleensang
Konrad Wilhelm schrieb:
> On Sun, 01 Jun 2008 15:01:19 +0200, Detmar Kleensang <detmar>
> wrote:
>> Genau das ist der Fehler! Ich schrieb doch: unterhalb der Quote

> produzieren, Quote verfallen lassen. Die Quote ist doch von Brüssel
> nicht gemacht um ausreichende Milchpreise sicher zu stellen, sondern
> um den Butterberg abzubauen, um die Subventionen für Überproduktion in
> Grenzen zu halten. Die Marktpreisgestaltung müssen die Landwirte schon
> selbst in die Hand nehmen: wenn es nicht rentabel ist wird es auch
> nicht gemacht. Milchproduktion ist doch eine Sparte, die sich ziemlich
> kurzfristig runter und wieder rauf fahren lässt, in wenigen Jahren.


Runterfahren ja, aber nicht mal eben so wieder rauffahren. So wie es mit
vielen landwirtschaftlichen Produktionsfeldern ist: Aufhören kann man
leichter als wieder anzufangen. Denn willst Du die Milchproduktion
wieder hochfahren, musst Du erstmal Kühe dazukaufen. Bis Du das Geld
wieder raus hast kann der Milchpreis längst wieder verfallen sein.
Deshalb ist es einfacher und wirtschaftlich sinnvoller, die Produktion
auf einem durchschnittlichen Level zu halten und auf langfristige
Preisstabilisierung hinzuarbeiten.
Und erspare uns allen bitte Deine ewigen Parolen von Butterbergen,
Milchozeanen und dergleichen. Soetwas gibt es seit langem nicht mehr.
Wieso sollte Brüssel denn bitteschön die letzten Jahre lang immer wieder
die Quote aufstocken? Damit der Überfluss noch größer wird?

>
>> Wenn hier weniger produziert wird, dann in
>> Italien oder sonstwo entsprechend mehr. An der gesamten auf dem Markt
>> befindlichen Milchmenge ändert sich rein gar nichts!

>
> Wenn die Italiener zu den derzeitigen Marktpreisen rentabel
> produzieren können, dann muss man denen eben die Milchproduktion
> überlassen. Wir haben doch auch nicht den Ergeiz, unrentabel Ananas
> oder Orangen oder Bananen zu produzieren, oder, um weniger exotisch zu
> sein, Hartweizen.


Nein, können die Iatliener nicht. Weshalb glaubst Du, das sie auf Deibel
komm raus produzieren? Damit die Herstellungskosten in der Masse einen
kleineren Anteil einnehmen. So wie es jeder in jeder Branche tut. Oh
Mann, hast Du das immernoch nicht kapiert?

>> Nicht, solange
>> Brüssel nichts anderes beschließt.

>
> Die Brüssler Beschlüsse legen eine Obergrenze fest. Kein Landwirt ist
> gezwungen, tatsächlich so viel zu produzieren.


Ich sagte schon, das auch VW nicht gezwungen ist, so viele Auto zu
bauen. Warum tun sie es trotzdem? Die könnten ja auch mehr Geld mit
weniger, aber besseren Autos verdienen. Wenn Deine Ansicht vom
Funktionsprinzip der Wirtschaft stimmen würde...

>> Und wer verzichtet bitteschön freiwillig auf Geld, das er einehmen
>> könnte?

>
> Jetzt versteh ich aber überhaupt nichts mehr!


Ja, das merke ich schon seit längerem.

> Es geht doch nicht um Gewinne sondern um Verluste, oder?


Ja.

> Jedes einigermaßen vernünftige Unternehmen trennt sich von
> verlustreichen Sparten, warum denn dann nicht die deutschen Bauern?


Nein, das tun eben längst nicht alle. Solarmodule werden auch noch
hergestellt, obwohl das völlig unrentabel wäre ohne Subventionen.
Und man hat selbst wenn man sich z.B. von der Milchsparte trennen würde
noch die Kosten für die Stallgebäude und -technik. Und da eine
Umnutzung, also die Nutzung eines Stallgebäudes z.B. als
Wohnmobilgarage, nicht bewilligt wird solange die Abzahlung (meist über
30 Jahre) läuft hat man keine Chancen, diese Verluste auch nur irgendwie
wieder einzuspielen.
Würdest Du Dich von einem Betriebszweig trennen, der bestenfalls
plusminusNull läuft, Du aber die Kosten trotzdem noch für 10 bis 20
Jahre tragen müsstest?

> Oder ist das ganze Gerede von Verlusten eben doch nur ein gewaltiges
> Lügengebilde und tatssächlich werden doch Gewinne erzielt?


Nein. Zum x-ten Male. Wenn man _keinerlei_ Lohn für die Arbeit berechnen
würde, dann bleiben vielleicht grad mal ein paar Euro über. Aber es
stehen nunmal zwangsläufig regelmäßig Investitionen an. Und die müssen
von irgendwas bezahlt werden. Ein Stallgebäude steht auch nicht immer
150 Jahre lang. Und ein Schlepper ist nach 6 bis spätestens 12 Jahren
auch durch mit dem Thema. Und für all diese Dinge sind die Kosten in den
letzten Jahren kräftig gestiegen. Von was sollen diese Dinge bezahlt werden?

>> Du? Ich bleibe mal bei meinem Beispiel von VW:

>
> Ja, ein gutes Beispiel! Die haben mit immensen Kosten den 2-l-Lupo
> entwickelt. Als der dann aber keine Gewinne einfuhr hat man die
> Produktion sehr schnell wieder eingestellt.


Mein Beispiel, das Du hier netter Weise nicht mit aufführst, stimmt
Deiner Methodik nach genauso.

>> Und woher sollen die Bullen, die Du gemästet sehen willst, was sich im
>> übrigen auch nicht wahnsinnig lohnt, jedenfalls nicht als
>> Alleinverdienst, herkommen wenn die Kühe abgeschafft worden sind?
>> Wachsen die auf Bäumen?

>
> Nein, hast du doch weiter oben schon geschrieben: aus Italien.


Bruhaha. Na schönen Gruß an die Tierschutzvereine. Wende Dich bitte mit
dem Vorschlag mal an die. Die werden Dir schon zeigen, wo der Frosch die
Locken hat.
Du kannst nicht mal eben lebendes Vieh über 100e und 1000e Kilometer
verfrachten.

>> Du quatschst hier fortlaufend einen Käse zusammen ohne Dir mal fünf
>> Sekunden Gedanken zu dem Stuss zu machen, habe ich langsam den Verdacht.
>> Denke doch bitte ersteinmal nach. Du blamierst Dich doch so nur.

>
> Was ist? Bist du argumentativ am Ende, so dass du jetzt mit
> persönlichen Beleidigungen weiter machen musst?
> Was kommt dann als nächster Schritt? Blockierst du mit deinem Trecker
> meine Garage?


Nein, Argumente habe ich reichlich. Nur bist Du weder gewillt, sie zur
Kenntnis zu nehmen geschweige denn (anscheinend) sie zu begreifen. Also
ist es völlig vergebene Liebesmüh, Dir noch irgendwas beibringen zu wollen.
Völlig uneinsichtige und unbelehrbare Menschen ignoriere ich für
gewöhnlich. Ich verstehe ja, das nicht jeder von allem Ahnung haben
kann. Wer nicht gewillt ist etwas dazuzulernen...
Solchen Quatsch mag ich zwar auch nicht stehen lassen, aber wenn jemand
so vehement neben der Spur liegt...

Bye bye,
Detmar
 #104  
01.06.2008, 18:45
Peter Voigt
Detmar Kleensang schrieb:

> Die Lieferverträge der Meiereien sehen eine Kündigungsfrist von 6
> Monaten bis zu 2 Jahren vor. Jedenfalls die, die mir untergekommen sind.
> Und dann muss der Bauer auch noch eine Meierei finden, die gewillt ist,
> ihn aufzunehmen.


Schön; das ändert sich ja jetzt, wo keiner mehr produziert.
 #105  
01.06.2008, 20:20
Andreas Bockelmann
Jens Müller schrieb:
> Andreas Bockelmann schrieb:
>> Jens Müller schrieb:
>>
>>> Zumindest der Betrieb von Pferdefuhrwerken ohne Pferde wird doch
>>> massiv subventioniert.

>>
>> Von wem?

>
> Vom Steuerzahler, zB durch Straßenbau.


Dem Mineralölsteuerzahler?
Dem KFz-Steuerzahler

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